Adipositas Selbsthilfegruppe Mallersdorf

Psychologie

„Es muss im Kopf ‚klick’ machen!“

…hört man oft von Adipositaspatienten, die eine dauerhafte Gewichtsabnahme geschafft haben. Die Psychologie spielt also eine wichtige Rolle bei der Therapie von krankhaftem Übergewicht. Sie hilft dabei, zu erkennen und zu verstehen, welche Mechanismen überhaupt erst zum Übergewicht führen konnten. Gemeinsam mit den Patienten wird erforscht, wie bestimmte Faktoren die stärkste Motivation ins Gegenteil verkehren konnten, zum Beispiel:

  • gesellschaftliche Zwänge („Der Teller wird leer gegessen!“)
  • extreme Schönheitsideale („Schlankheitswahn“)
  • übersteigerte Strenge sich selbst gegenüber („Mir knurrt zwar der Magen, aber wenn ich das Stück Kuchen nur ansehe, nehme ich schon zu.“)

Bestärkt durch die daraus gewonnenen Erkenntnisse finden die Patienten mit psychologischer Unterstützung individuelle Wege, sich aus der Abwärtsspirale ihrer Krankheit zu lösen.

Angebote im Rahmen des MMK

Im Rahmen eines sogenannten multimodalen Konzepts (MMK), wie es Fachgesellschaften und Krankenkassen zum Abnehmen empfehlen (siehe Therapie), bilden psychologische Therapieangebote einen zentralen Behandlungspfeiler.
So werden z. B. Einführungen in Entspannungstechniken angeboten, denn wer sich gut entspannen kann, bleibt gesünder. Entspannungstrainings helfen dem Menschen, durch die Lenkung seiner Aufmerksamkeit und Konzentration auf seinen Körper Spannungen abzubauen.

Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson

Die Progressive Muskelentspannung ist eine Entspannungstechnik, die auch der Vorbeugung dient. Sie ist ein effektives, leicht zu erlernendes Verfahren, das die Teilnehmer schon nach der ersten Stunde allein anwenden können. Unter der Voraussetzung regelmäßigen Übens zeigt es bereits nach sehr kurzer Zeit nachhaltige Verbesserungen von akuten oder chronischen Erkrankungen.

Die Methode heißt Progressive Muskelentspannung (progressiv = fortschreitend), weil sie fortschreitend eine Muskelgruppe nach der anderen entspannt. Sie geht auf den amerikanischen Arzt, Physiologen und Psychologen Edmund Jacobson (1888-1983) zurück und ist heute ein wissenschaftlich anerkanntes Entspannungsverfahren mit zuverlässigen empirischen Wirksamkeitsnachweisen.

Jacobsons Erkenntnisse:

  • Die verschiedenen Spannungszustände der Muskeln wirken sich auf die Psyche und die körperliche Befindlichkeit aus
  • Entspannung lässt sich am besten erlernen, wenn man gezielt Muskeln anspannt und wieder entspannt.
  • Wichtig ist dabei die bewusste Wahrnehmung dieser Zustandsänderung.
  • Bei einem Spannungsgefühl, dem ein Gefühl wie Angst zugrunde liegt, ist immer eine Muskelkontraktion beteiligt und umgekehrt.
  • Aus einer muskulären Entspannung ergibt sich dann automatisch auch eine geistige Entspannung.

Anwendungsbeispiele:

  • Stress, körperliche Anspannungen
  • Bluthochdruck, chronische (Rücken-)Schmerzen
  • Magen- und Darmstörungen
  • Muskelverspannungen
  • Ängste und Angststörungen (Prüfungsängsten, Lampenfieber, Flugangst)
  • Nervosität, innere Unruhe, nächtliches Zähneknirschen
  • Spannungskopfschmerz, Migräne, Schlafstörungen, Tinnitus, Stottern

Ziele nach Jacobson:

  • Selbständiges Erlernen der PMR für die Anwendung ohne Hilfe in verschiedenen Situationen
  • Unterstützung, sich für Wahrnehmungsprozesse zu öffnen
  • Sensibilisierung durch verbesserte Wahrnehmung
  • Senkung des Muskeltonus im Körper auf ein niedrigeres Niveau
  • Erwerb eines „Handwerkszeugs“, um sich selber aus eigener Kraft heraus entspannen zu können und damit aktiv bei einer geistigen, körperlichen oder seelischen Über-Erregung entgegen wirken zu können

Begleitung vor und nach Operationen

Alle Patienten werden vor einer Adipositasoperation psychologisch begutachtet, ob sie die Kriterien für eine solche Operation erfüllen.

In der Nachsorge steht die Bewältigung der Ernährungs- und vor allem Verhaltensumstellung im Fokus. Patienten, die eine psychologisch gestützte Nachsorge erhalten, verlieren nachweislich besser und nachhaltiger an Gewicht als Patienten, die mit der Operation alleine behandelt werden.

Eine Diplom-Psychologin betreut die Patienten in der Klinik Mallersdorf sowohl vor als auch nach der Operation. Ihr Gutachten unterstützt die Indikationsstellung und findet Eingang in den Antrag an die Kostenträger.

Ansprechpartner für Sie im Bereich Psychologie ist Katrin Kaniß.